Mathematik - eine Sprachwissenschaft

Veröffentlicht auf von klö

Am letzten Wochenende führte ich eine kontroverse Diskussion mit einem alten Freund. Er studiert Philosophie und kam mir mit einem komischen Gedanken, auf welchen ich ziemlich abgegangen bin. Seiner Meinung nach sollte man Mathematik als eine Sprachwissenschaft betrachten. Grundstein dieser These ist die Behauptung, dass Mathe an sich eine Sprache ist: Die Symbolik ist ja im Endeffekt nichts weiter als Schrift; Zeichen, von denen jedes seine Bedeutung hat. Außerdem gelte jede Definition, jeder Satz, jede Regel und jede Formel, weil man sie im Vorherein formuliert hat. In einem Link, den mir jener Freund schickte (link) heißt es:
"Wie alle anderen Sprachen auch beschreibt [die Mathematik] einfach die Natur und verarbeitet Informationen aus der Natur"
Ich bin grundlegend anderer Meinung! Natürlich muss man sich -speziell die Philosophie- fragen: Ist Wissen oder Wissenschaft ohne Sprache überhaupt möglich? Aber man darf nicht den Fehler machen jede Art von Wissenschaft auf die Sprache zu reduzieren. Natürlich ermöglicht erst die Sprache (wobei ich jetzt geschrochene wie geschriebene meine) das Lernen und Weiterentwickeln unseres Wissens. Aber nennt man deswegen alle Fachrichtungen Sprachwissenschaften? Ist Onkologie eine Sprachwissenschaft nur weil sich der Name von griechischen όγκος „Anschwellung“ und λόγος „Lehre“ ableitet? Nein sie ist die Wissenschaft, die sich mit Krebserkrankungen befasst. Somit ist sie ein Teil der Medizin, und damit eine Naturwissenschaft. Hier zu eine kleine Grafik, die ich aus dem Bauwirtschaftsunterricht habe und ein wenig erweiterte. Sie erhebt keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind nur ein paar Beispiele, die gewisse Zusammenhänge darstellen sollen:





















Der Inhalt aller dieser Fachrichtungen wird übermittelt durch die Formulierung, welche durch Sprache erfolgt. Aber die meisten Wissenschaften sind nicht abhängig von ihrer Formulierung. (Ich rede hier nicht von Germanistik, das ist eine Sprachwissenschaft, bleiben wir bei Mathematik.)
Es ist uns möglich zu berechnen wie groß die Winkel eines Dreiecks sind, wenn wir die Länge aller Seiten kennen. Jedoch werden die Winkel auch ohne unsere Berechnung diese Grade besitzen. Wir hätten niemals feststellen müssen, dass deren Summe einen Halbkreis bildet und es bleibt trotzdem wahr. Ich meine, ohne dass wir solche Dinge definieren, sie gelten trotzdem: Kein Mensch der Erde kann ein Dreiecks zeichnen, welches diese Eigenschaft nicht hat.
Man könnte jetzt behaupten, dass es Dreiecke, wie sie die Mathematik voraussetzt in der Realität existieren und das die ganze Mathematik nur eine einzige Definitionssache ist; bewirkt durch Sprache. Dann würde ich raten noch einmal die Grafik zu studieren. Natürlich beschäftigt sich die Mathematik mit idealisierten Vorgängen und doch kann man die Ergebnisse auf die Realität übertragen und wird die Wahrhaftigkeit nicht anzweifeln können. Es ist berechbar wann ein Blumentopf am Erdboden ankommt, wenn man ihn aus dem Fenster wirft (wobei das eher Physik ist, aber die Berechnung stützt sich ja auf Mathe). Wenn man alle größeren Einflüße mit ein bezieht, wird der Blumentopf auf die Sekunde genau am Erdboden zerplatzen. Das nennt man Naturgesetze und die gelten ohne das man sie formuliert. Mathematik ist das Hilfsmittel, um sie vorhersagbar zu machen.

Mathematik - eine Sprachwissenschaft? Ich persönlich denke: Sowas kann nur ein Mensch behaupten, der sich noch nicht über die Schulmathematik hinaus mit dieser Wissenschaft beschäftigt hat...
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S
Also ich würde erstmal nicht sagen das die Mathematik zur den Sprachwissenschaften gehört, sondern das es sich genau andersrum verhält( wenn man die allgemeine Strukturierung der Mathematik berücksichtigt). Denn obwohl wir ein Dreieck und sein Konstruktion in die Geometrie einordnen oder das Beispiel von dir aufgreifen, mit dem zu Erde fallenden Blumentopf, das ja zur Physik zählt, so wie du bereits sagtest, schließen wir dies alles doch unter dem großen begriff Mathematik ein, denn ohne Mathe können wir uns das alles nicht beweisen oder verdeutlichen. Sprachen, in der geschriebenen Form , also wenn man sich jeden einzelnen Buchstaben genau vornimmt, kann man eigentlich nur als eine Art Aneinanderreihung von Punkten in einem Koordinatensystem ansehen. Wo jeder Buchstabe/jedes Zeichen einen bestimmten, zugeordneten Punkt besitzt. somit kann man mit einfachen Formel ganze Texte zusammen fassen, also vereinfachen und wenn man diese Formel, die man benutzt um denn Text zu vereinfachen, weitergibt oder diese eine Allgemeine Gültigkeit besitzt, kann jeder diesen text wieder entschlüssel. Was einen nicht sehr viel bringt wenn man die Sprache des Textes nicht versteht, naja darum gibt man anstatt denn Buchstaben, denn Wörtern einen Punkt( oder dessen Bedeutung). Somit würde Sprache oder die Sprachwissenschaft unter die Mathematik fallen. Andersrum kann man Sprachen mit Hilfe der Mathematik auch besser lernen. Was ich eigentlcih sagen wollte und vielleicht nur zu komisch auszudrücken versucht habe ist ein Buchstabe = eine Zahl; x Zahlen = ein Wort; Sprache in Mathematik = null Verständigungs Probleme.
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K
<br /> Ja endlich mal einer der auf meiner Seite ist! Und ich find den Ansatz im Übrigen klasse: Warum soll man nicht sagen Sprache ist Mathematik? Im Grunde genommen -denk ich als Rationalist- kann man<br /> alles Physischen um uns rum in mathematischen Probleme ausdrücken. Alles heißt der Satz eher:  Alles ist Mathe - nicht Sprache, weil die Sprache selber ja auch Mathe ist...<br /> <br /> <br />
G
Ohne Sprache kann man sich nicht verständigen, es gibt best. Symbole Formeln etc. die Dinge für mich beschreiben und mir helfen mich mit anderen darüber zu verständigen, diese Symbole sind oder werden festgelegt!<br /> Mathematik beschreibt etwas existentes und ist daher vielleicht als Sprache zu betrachten.<br /> Also ich gehe mit bei : Mathematik ist eine "Sprache" !<br /> Aber zu veräußern " Mathematik ist eine Sprachwissenschaft" ist meiner Ansicht nach großer Käse. Wikipedia sagt: "Sprachwissenschaft, auch Linguistik, ist ein Sammelbegriff für alle Wissenschaften, die in irgendeiner Form Sprache untersuchen."<br /> Punkt.<br /> Mathematik also die "mathematische Sprache"<br /> untersucht sich nicht selbst in erster Linie, sie untersucht real existente Systeme, spielt mit Zahlen, addiert subtrahiert etc. theoretische Praxis...praktische Theorie<br /> Ich könnte auch nicht einfach behaupten "Musik ist Musikwissenschaft" oder gar "Musik ist eine Singwissenschaft", Das führt mich zu einer lustigen Kette---------> ohne Musik keine Musikwissenschaft---->ohne Sprache keine Verständigung über Musikwissenschaft------->Ohne Beweisführung keine Mathematik----->ohne Sprache keine Verständigung über Mathematik.<br /> <br /> Also meiner Meinung nach :<br /> <br /> Ja auch Nein<br /> <br /> vielleicht kann es sein...<br /> <br /> momentan sag ich noch: NEIN!
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K
<br /> tequila ist eine sprachwissenschaft...<br /> <br /> <br />
T
Wenn du von Sprache sprichst, gehst du automatisch von deiner persönlichen Definition der Sprache aus und stützt dich dabei auf eine Grafik die meiner Meinung nach wenig mit der eigentlichen Frage nach der Sprache in der Mathematik zu tun hat.<br /> Es gibt jedoch mehrere Möglichkeiten das zu betrachten: Man könnte die Mathematik als ein Ideal betrachten, und die Sprache ist alles andere als ideal, sonst würde man sich ja nie missverstehen. <br /> Andererseits strebt die Sprache - Apropos Germanistik - auch nach der Perfektion. Zudem muss man die Mathematik, wie jede andere Sprache erst verstehenlernen. Man kann selbst Witze wie Pi = 3 oder Paradoxen wie "Achilles und die Schildkröte" mit ihr formulieren. (Okay, das ist vielleicht kein perfektes Beispiel, es ist nur ein Scheinparadoxon)<br /> <br /> Du gehst davon aus, dass es die Mathematik schon so wie sie ist von anfang an gegeben ist. Aber nimm allein den Julianischen Kalender, für den extra arabische Wissenschaftler zu Rat gezogen wurden, da es in der römischen Mathematik keine Brüche gab (356 1/4 Tage pro Jahr :-O)<br /> <br /> Wie dem auch sei, für mich ist es keine so eindeutige Sache und ich Neige dazu deinem philosophischen Freund zu zu stimmen...
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